Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention

Breisach / Burkheim e.V.

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„Wir ziehen alle an einem Strang“

 
Bericht aus dem Kaiserstühler Wochenbericht 8. Dezember 2017
 
Weisweil (heb). Seit nunmehr 17 Jahren existiert die Bürgerinitiative Polder Wyhl/Weisweil „so nitt“, andere befreundete BI verfolgen ähnlich lange kritisch die langatmigen Planungen zum Integrierten Rheinprogramm (IRP), die älteste davon der Hartheimer Verein für Heimatund Hochwasserschutz seit über 30 Jahren.
 
Am Freitagabend begrüßte Dieter Ehret, Vorsitzender der Weisweiler BI ein volles Haus im evangelischen Gemeindezentrum. Anfang 2016 habe man sich zur Arbeitsgemeinschaft der Bürgerinitiativen Hochwasserschutz am Oberrhein zusammen geschlossen.
Und zwar sind BI von Rheinstetten bei Karlsruhe bis nach Hartheim in dieser AG vertreten. Deutlich wurde, dass man auf die EU setzt. „Ich hoffe, dass die EU neutraler als Bund und Land ist“, so Ehret. Man wolle gemeinsam und auch einzeln mit Vertragsverletzungsbeschwerden bei der EU dem Land, das die ökologischen Flutungen (öF) forciert, zusetzen. Ökologische Flutungen gebe es nur in Baden-Württemberg, weder in der Pfalz, in Bayern oder Österreich und wie ein roter Faden zog es sich durch den dreistündigen Abend, dass Hochwasserschutz seitens der BI und Gemeinden gewünscht ist, aber öF als Etikettenschwindel inakzeptabel sind.

Brachflächen zu erwarten
 
Der Rheinwald sei für alle Beteiligten sehr wichtig, wobei künstliche Flutungen überhaupt nicht als Ausgleichsmaßnahmen geeignet seien. „Unsere Befürchtungen, dass beim Versuch der Gewöhnung desWaldes oder beim geplanten Umbau des von Menschenhand geschaffenen Rheinwaldes durch die öF mehr Wald und Natur zerstört werden, als durch das eigentliche Hochwasser, konnten bisher von niemandem glaubhaft entkräftet oder widerlegt werden“, führte Ehret aus. Im Gegenteil - so würden heute noch viele Forstleute Dauer und Höhe der künstlichen Flutungen kritisieren. „Aus unserer Sicht ist der geplante Waldumbau nicht notwendig und auch nicht möglich, da infolge der Staatsverträge zu wenig Wasser für eine Nass- Aue aber zu vielWasser für eine Trocken- Aue im Rheinwald wäre“. Deshalb seien sogar Brachflächen zu erwarten. Außerdem sei der Wald durch den Lastfall Klimawandel ohnehin genug gestresst, als Beispiel nannte Ehret das Eschensterben. „Die öF sind in allen Polderräumen zumindest einer der größten Kritikpunkte, das Wort öF ist Etikettenschwindel“, betonte Ehretweiter. Angesprochen wurde der Fall Altrip in der Pfalz, hier hat die EU die Reißleine gezogen, weil dort Fehler bei den Planungen des Polders gemacht wurden, nun muss das Verfahren wieder neu aufgearbeitet werden. „Die Fehler, die gerade in Breisach gemacht werden, hat schon Altrip gekippt“, betonte Maik Bock von der BI Breisach.

Tigermücke, Verschlammung, Müll
 
Als Alternative wurde von den BI in Breisach/Burkheim gemeinsam mit den Limnologen die Schluten-Lösung plus und für Weisweil die erweiterte Schluten-Lösung entwickelt und für das Planfeststellungsverfahren vorgeschlagen. Diese Lösungen würden Dynamik in den Rheinwald bringen und sind wirklich ökologisch. Bei den öF sieht man sich auch mit Problemen konfrontiert, die nicht wegzudiskutieren sind: Schlammablagerungen und Tümpelrückstände bei den künstlichen flächigen Flutungen bilden Brutstätten für Mücken, Schnaken oder die asiatische Tigermücke. Verschlammung, Müll, große Schäden an Brücken Wegen, Problem mit Wild. Thomas Krämer von der BI Hartheim sprach von 6.555 ha Rheinwald, die auf 255 Rheinkilometern vom IRP betroffen seien, das sind 13 Standorte für Rückhalteräume von Hartheim bis Mannheim. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1,47 Milliarden Euro (Stand 2015). „Das bedeutet auch eine Veränderung des Landschaftsbildes“. Krämer berichtete außerdem, dass die Gemeinde Hartheim auf der Suche nach Alternativen für eine großflächige Auskiesung an Prof.Dr. Bernhart von der TU Karlsruhe den Auftrag nach Alternativen zu suchen, gab. 2010 entwickelte er die naturnahe Überflutung des Rheinwaldes ohne Wehr und ohne großflächige Auskiesungen, die sogenannte Furten-Lösung.

Schlechtere Wasserqualität
 
Um die Wirksamkeit zu belegen, benutzt er ein zweidimensionales instationäres mathematisches Modell. Dabei vergleicht er auch die Varianten Auskiesung und Furt mit Rückhalt und kommt zu folgendem Ergebnis:
Durch die Auskiesung des Rheinvorlandes bei Hartheim stellt sich keine Verminderung der Hochwasserwelle ein. Das Gegenteil ist der Fall, höhere HW-Scheitelwerte als im heutigen Zustand werden sich einstellen. Maik Bock verwies auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Die Bürgerinitiativen klagen die Planungen an, dass regelmäßig Schmutzwasser aus dem Rhein in die Quelltöpfe, Gießen, Baggerseen in den Auwäldern geleitet werden sollen. Damit verschlechtere sich dieWasserqualität der Gewässer und das wiederum sei verboten. „Die EU-Kommission wird es auch so sehen, dass hier Verstöße stattfanden“, so Bock.

„Wir führen schon lange einen Kampf“
 
Jürgen Langer aus Breisach sprach davon, dass das Land mit seinen Behörden mit zweierlei Maß messe. „Die Wildkatze ist ein witziges Thema“, so Langer, denn ihre Schleichwege bedeuteten für normale Bauvorhaben schnell das Ende. Beim Großprojekt des Landes hingegen spiele die Wildkatze keine Rolle, sie wird ihre Wege im Rheinwald schon finden und sich vor dem Wasser schützen. Ingrid Scharff, Vorsitzende der BI Elzmündung Schwanau, wollte gar nicht mehr aufhören mit ihren Ausführungen und teilte ihren Frust aus 20 Jahren mit. Sie kritisierte die Behörden scharf, bezeichnete sie als erbärmliche Lügner und stellte in den Raum: „Wir führen schon lange einen Kampf, der für viele von euch jetzt erst beginnt“. Bürgermeister Michael Baumann dankte für die geballte Kompetenz und erinnerte, dass die Gemeinden Sasbach, Rheinhausen, Wyhl und Weisweil betroffen seien. Er bezeichnete die BI als verlängerten Arm der Gemeinden, man unterstütze sich gegenseitig und hoffe nun auf Erfolg bei den Einwendungen in Brüssel.
Bürgermeister JürgenSchneidig (Sasbach) sprach von einem schleichenden Prozess, der dem Tourismus schade, die Einstauungen beliefen sich teils auf 54 Tage. Das mache auch das Radfahren im Rheinwald unmöglich. Bei Hochwasser öffnen die Franzosen ihr Wehr jetzt schon und der Rheinwald würde überflutet, „aber nach vier Tagen ist der Spuk wieder vorbei“.

Weniger Lebensqualität
 
Jürgen Schmidt, Leiter des Forstamtes LK Emmendingen sagte, dass die öF Urwaldzustände suggerierten und „mit diesem Wort haben wir die Naturschützer gewonnen“. Einen Baum könne man nicht auf den Hochwasserfall trainieren, „wir können fluten, soviel wir wollen, der Wald gewöhnt sich nicht daran“. In der kurzen Diskussion sprach ein Zuhörer von Volksverdummung und meinte, dass die Bevölkerung bei solchen Planungen des Landes mitgenommen gehörte, „denn wir als Mensch verlieren mit den öF an Lebensqualität“.
 
Den kompletten ungekürzten Bericht können Sie hier einsehen.


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